Nils testet: Azul

kurz & knackig

Am vergangenen Montag den 23.07. wurde Azul zum Spiel des Jahres 2018 gewählt. Ist es damit das „beste“ Spiel dieses Jahres? Vielleicht. Für mich ist die Qualität eines Spieles nicht messbar, persönliche Geschmäcker zählen hier wie beim Schuhkauf. Der eine mag sportliche und der andere elegante Schuhe. So ist das eben.
Aber es gibt dennoch Merkmale die ein Spiel objektiv gut machen. Die Spiel des Jahres Jury zählt auf ihrer Homepage einige Punkte auf. Dazu gehört zum Beispiel eine gut umgesetzte Idee, verständliche Regeln, hochwertiges Material und ein stimmiges Entscheidungsbild.
Dem würde ich ohne weiteres zustimmen. Ich sage das man ein Spiel des Jahres jemanden hinlegen kann der vielleicht seit seiner Kindheit nicht ein Spiel gespielt hat. Und im besten Fall will diese Person danach in seiner Freizeit nie wieder etwas anderes machen als mit seinen Freunden zu spielen.
Es muss also von Anfang an fesseln. Und dazu gehört kein langes Regelstudium. Oder ein frustrierendes Spielerlebnis. Ein Spiel des Jahres muss innovativ sein. Die Welt der Spiele ist nicht bei Mensch ärgere Dich nicht stehen geblieben. Skeptische Spiele-Verweigere sollen etwas in die Hand bekommen das Beweist das Spiele eine bereichernde Beschäftigung sind.

 

Und genau das schafft Azul.

 

Als portugiesische Handwerker wurden wir von Manuel I. beauftragt den königlichen Palast mit Mosaiken zu verzieren. Dafür sollen nicht irgendwelche Fliesen sondern die schmuckvollen „Azulejos“ verwendet werden. So entflammt ein Wettstreit um die Gunst des Königs.

Ziel ist es, durch geschicktes Auswählen und Platzieren der Fliesen, möglichst viele Punkte zu ergattern. Im Spiel gibt es, je nach Spielerzahl, 5-9 Manufakturen. Diese werden durch Runde Scheiben symbolisiert. Zu Beginn jeder Runde werden auf jede Manufaktur 4 zufällige Fliesen platziert. Es gibt 5 unterschiedliche Fliesenarten. Pro Typ sind 20 im Spiel.
Reihum entscheidet man sich für eine Manufaktur und nimmt alle darauf liegenden Fliesen einer Farbe. Die übrig gebliebenen Fliesen werden in die Tischmitte gelegt. Der nächste Spieler darf sich nun auch aus der Tischmitte bedienen.
Bevor die eben genommenen Fliesen in das eigene Wandbild eingearbeitet werden können muss das Lager links neben dem Wandbild gefüllt werden. Jedes Lager besteht aus einer 1-5 Felder langen Reihe.  Alle gesammelten Fliesen müssen in eine Reihe untergebracht werden. Außerdem dürfen  die Farben innerhalb einer Reihe nicht vermischt werden. Aufgenommene Fliesen die nicht verbaut werden können zählen als Minuspunkte. Es ist nicht möglich zu passen und keine Fliesen aufzunehmen.
Sind alle Fliesen verteilt werden die Fliesen von vollständigen Reihen auf das Wandbild übertragen. Von jeder vervollständigten Reihe wird eine Fliese rechts auf das Wandbild geschoben.
Jede angebrachte Fliese ist ein Punkt wert. Grenzen horizontal oder vertikal schon Fliesen an, erhöht sich die Punktzahl dementsprechend. Wer also geschickt seine Fliesen platziert staubt so also die hohen Punktzahlen ab.

Nach der Wertung werden die Manufakturen wieder aufgefüllt und es beginnt eine neue Runde. Gespielt wird solange bis einer der Spieler eine horizontale Reihe vervollständigt hat. Zum Spielende gibt es noch für verschiedene Extrabedingungen Bonuspunkte.
Der Spieler mit den meisten Punkt gewinnt das Spiel.

Nils

Ein toller Preisträger. Haptik und Optik überzeugen auf ganzer Linie. Der Autor hat es geschafft einer einfachen Idee viel Spieltiefe zu verpassen. Azul ist in wenigen Sätzen erklärt aber dennoch sind die taktischen Möglichkeiten vielfältig. Spieler die vorausschauend planen werden mit Bonuspunkten belohnt. Unaufmerksame Spieler sehen sich schnell in der Situation ungewollte Fliesen aufnehmen zu müssen. Können diese nicht verbaut werden dann büßt man schnell Punkte ein.
Azul verlangt kein taktisches Kalkül sondern Aufmerksamkeit. So fühlt sich niemand überfordert und kann auch ohne anschließende Schmerzen des Denkmuskels gewinnen.
Mich, als Verkäufer und Enthusiast, stellt es sehr zufrieden das Azul gewonnen hat. Oftmals wird, spätestens Weihnachten, verzweifelt zum aktuellen Spiel des Jahres gegriffen. Quasi als Notnagel wenn man keine passende Geschenkidee hat. Es beruhigt und erfreut mich zugleich wenn ein so tolles Spiel wie Azul verschenkt wird. In der Vergangenheit waren nicht alle Preisträger das Gelbe vom Ei. Azul schon.